Rotes Antiquariat
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Douglas, Alfred Lord:

Oscar Wilde and Myself.

John Long, London., 1914. 320 S. Mit Frontispiz, zahlr. faks. Briefen [alle in Pag.]
u. 13 Tafeln (nach Fotografien u. Zeichnungen)., Gr.-8°, Orig.-Leinenbd.

KNE35531

Erste Ausgabe. - In englischer Sprache. - ´Oh, wie diese roten Rosenblütenlippen ebenso mit Gesang verzücken wie mit rauschenden Küssen. [...] Stets dein dich liebender Oscar´, schrieb der 38-jährige Wilde an seinen 21 Jahre jüngeren Liebhaber Douglas, genannt ´Bosie´, im Januar 1893. Vier Jahre später, in Einzelhaft, sollte er über ebendiese Zeilen schreiben: ´Das Ende vom Lied ist: Ich gehe ins Gefängnis. Das habe ich nun davon, dass ich Dir einen reizenden Brief schrieb.´ Denn eine Abschrift des Liebesgeständnisses an den jungen Lord geriet in die Hände von dessen cholerischem und homophobem Vater, dem neunten Marquess von Queensberry. Als dieser Wilde eine falsch buchstabierte Notiz hinterließ, ´Oscar Wilde, posing Somdomite´, drängte Douglas junior den Dichter entgegen der Ratschläge von dessen Freunden dazu, den verhassten Vater wegen Verleumdung anzuklagen. Wilde verlor den Prozess und wurde stattdessen selbst verurteilt - zu zwei Jahren Zuchthaus und Zwangsarbeit wegen ´widernatürlicher Unzucht´. ´Er hat einmal mit seinem Vater um mein Leben gespielt und verloren´, sagte Wilde nach Verkündung des Urteils. Während der adlige ´Bosie´ verschont blieb, verlor Wilde auf dem Höhepunkt seiner Karriere alles: Seine Bücher wurden aus dem Handel gezogen, seine Stücke abgesetzt, sein Besitz versteigert, seine Frau ging mit den Kindern ins Exil und änderte ihren Namen. Im Gefängnis in Reading zog Wilde in einem 80-seitigen Brief, den er nicht abschicken durfte, eine vernichtende Bilanz seiner Beziehung zu Douglas: ´Ich hätte Dich aus meinem Leben schleudern sollen, wie man ein stechendes Insekt von seinem Anzug schleudert´. 1905 wurde das Schreiben postum unter dem Titel ´De Profundis´ veröffentlicht, woraufhin die ´honigblonde Goldseele´ Douglas entsetzt nachtrat: Die ´giftige Flut grotesker Lügen´ sei Wildes Wahnvorstellungen im Zuchthaus geschuldet, im Übrigen hätte der Dichter schlechte Zähne gehabt, sei ´fett´ gewesen, ´lächerlich überschätzt´ und ´die größte Macht des Bösen, die in den letzten 350 Jahren in Europa aufgetaucht ist´. (Vgl. Pauline Krätzing: Oscar Wilde und Alfred Douglas: Eine Liebesgeschichte wider Zucht und Ordnung. In: NZZ am Sonntag. 23.11.18. https://nzzas.nzz.ch/gesellschaft/liebesgeschichte-wider-zucht-und-ordnung-oscar-wilde-alfred-douglas-ld.1438660. 27.02.19.). - Einband fleckig u. berieben, Rücken verblasst, wenige Bll. mit Anstreichungen in Blei, sonst gut erhalten.

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