Losowsky, A[lexander]:
Paris, Breslau, Scarborough.
Führer, Berlin., 1925.
63 S., Kl.-8°, Orig.-Broschur.
WIE235
Die Mitte der 1920er Jahre können als Periode der internationalen Gewerkschaftsbewegung beschrieben werden, in der sowohl revolutionäre als auch reformistische Tendenzen stärker zu tage traten und einzelne Gewerkschaftsverbände zwischen den jeweiligen Fraktionen oft heiß umstritten waren. Die vorliegende Broschüre behandelt deshalb speziell die Fraktionskämpfe in drei großen Verbänden Europas. Dem französischen, dem deutschen und dem englischen, geht jedoch auch auf die (für die RGI sehr wichtigen) Entwicklungen im norwegischen Gewerkschaftsverband ein, wenngleich diese auch nicht zentrales Thema der Broschüre sind. Zu Frankreich setzt sich Losowsky hier vor allem mit der Frage der Gewerkschaftseinheit unter dem Blickwinkel des Pariser Kongresses der sozialdemokratischen CGT auseinander, dessen Haltung eine Einigung mit der RGI-Sektion CGTU in weite ferne Rücken ließ. Losowsky zieht den Schluss, dass der CGT-Kongress ein Auf-der-Stelle-treten bedeute und die CGTU weiterhin um Einheitspositionen kämpfen müsse. Besonders positiv hebt er diesbezüglich die ´klar revolutionäre Haltung der CGTU zur Kolonialfrage´ hervor, wenngleich er betont, dass auch hier die Arbeit noch vertieft werden müsse. Anders die Beurteilung des Kongresses des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Breslau (heute Wroclaw/PL), der als ´bedeutender Schritt rückwärts´ definiert wird. Tatsächlich stellte der Breslauer Kongress eine Niederlage für die kommunistischen Gewerkschafter dar. Das wird insbesondere deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass beim ADGB-Kongress in Leipzig drei Jahre zuvor noch 88 Delegierte der kommunistischen Fraktion zuzurechnen waren, beim Breslauer Kongress 1925 jedoch nur noch zwei! Vor diesem Hintergrund spart Losowsky auch nicht mit Kritik an der KPD sowie Selbstkritik der RGI. Die Mitglieder des ADGB stellten gemeinsam mit jenen des englischen Gewerkschaftsverbandes TUC rund 75 Prozent aller Mitglieder des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), weshalb naturgemäß neben der deutschen vor allem der britischen/englischen Gewerkschaftsbewegung große Bedeutung beigemessen wurde. Umso wichtiger wurde von der RGI der TUC-Kongress in Scarborough eingeschätzt, der im September 1925 stattfand. Einige Monate zuvor hielt auch die im TUC als Fraktion arbeitende RGI-Sektion ´National Minority Movement´ (NMM, kurz: Minderheitenbewegung) einen eigenen Kongress ab, der zum bis dahin stärksten ihrer Geschichte werden sollte. ´Der Kongress der englischen Trade-Unions in Scarborough ist ein Schritt in der gesamten englischen Arbeiterbewegung nach links´, so Losowsky. Diese Einschätzung stützte sich wesentlich darauf, dass der Kongress in mehreren wichtigen Fragen Vorschläge der NMM annehmen musste, wie beispielsweise der Beschluss zur Unterstützung der Kolonialvölker, oder die Einheitsfrage, bei welcher der Kongress zustimmte, dass ein ´englisch-russisches Einheitskomitee´ (als gemeinsame Organisationsstruktur von TUC und sowjetischen Gewerkschaften) eingerichtet werden sollte, was für die RGI-Arbeit innerhalb der TUC selbstverständlich eine Schwächung des Einflusses des IGB bedeutete und historisch noch Bedeutung gewinnen sollte. Der erwähnte norwegische Gewerkschaftskongress stellte für die RGI-Führung insofern einen Fortschritt dar, als dass der betreffende Verband sich einerseits zwar nicht dem IGB anschloss, jedoch auch nur auf eine ´enge Zusammenarbeit´ mit der RGI orientierte, sich dieser jedoch nicht anschloss. Losowsky sieht das als Zeichen der inneren Zerrissenheit des IGB und trifft die Einschätzung, dass das norwegische Beispiel nur eines der ersten in einer Reihe internationaler Beispiele werden wird. Im Anhang der Broschüre sind mehrere Dokumente und Resolutionen der Gewerkschaftskongresse, sowie Aufrufe der RGI-Sektionen an die sozialdemokratischen IGB-Sektionen enthalten. ? Exemplar an den Ecken leicht bestoßen. Titel etwas lichtrandig. Ansonsten guter Zustand. - Goldbeck, 121.
EUR 30,00
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