Design. - Kaffee-HAG.
Kaffeeservice bestehend aus einer Kaffeekanne, einem Sahnekännchen, einer Tasse mit Untertasse, einem Teller und einem kleinen Schälchen.
Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau., Designer: Eduard Scotland u. Alfred Runge.
1930er/1940er Jahre.,
KNE30734
Bis auf die Kaffeekanne alle Teile mit Markenstempel, diese im Deckel gestempelt ´D. Pat.´. - Ab 1906 wurde das neuartige Verfahren zum Koffeinentzug des Kaffees, entwickelt von Ludwig Roselius, im Rahmen der Kaffee-Handels-Gesellschaft, Bremen, praktiziert. (Hierzu u. zum Folgenden vgl. Hans Wichmann u. Eugen Leitherer: Reiz und Hülle: gestaltete Warenverpackungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Basel, Boston, Stuttgart, 1987. S. 248 u. 100 Jahre Kaffee HAG. Die Geschichte einer Marke. Bremen, 2006. S. 141-223.) ´Kaffee HAG´ (HAG als Abkürzung für Handels-Aktiengesellschaft) war der erste Markenkaffee, der fertig verpackt, in einheitlicher Aufmachung und gestützt durch begleitende Werbeträger wie Schilder, Plakate und Geschirr mit einheitlichem Design zu einem festen Preis international angeboten wurde. Die Strategie des ´Corporate Design´, das ganzheitlich durchgestaltete Erscheinungsbild eines Unternehmens, war zu dieser Zeit eine Neuheit und wurde vergleichbar lediglich von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin durch den Architekten Peter Behrens betrieben. Markenlogo, Verpackung und Geschirr der Firma HAG wurden designed von den Architekten Eduard Scotland und Alfred Runge (1906 bzw. 1907) und mit nur sehr geringfügigen Veränderungen bis zum Relaunch 1961 verwendet. Beide Marken wurden also im künstlerischen Geist eines architektonisch geschulten Gestaltungswillen entwickelt. - Paul Westheim sah 1910 Zeichen der Stilwende im Verschwinden von ?Medaillen, Löwen, Adlern, Greifen, mythologischen Jungfrauen und allerlei anderem heraldischen Gesindel?. Stattdessen zeigten die neuen Entwürfe und Produkte ?worauf es ankommt: markige Eigenart, ein Ausmerzen alles gleichgültigen Beiwerks und eine klare Hervorhebung der notwendigen Aufschrift, Farbe, Flächengliederung und eindringliche Wirkung. [?] Ich verweise nur auf die überraschend klare, energische und gediegene Aufmachung des koffeinfreien Kaffees[?]. (Paul Westheim: Packungen. In: Die Welt des Kaufmanns. 6. Jahrg., H. 8. August 1910. S. 310f.) - Das Porzellan mit dem Emblem eines Rettungsrings, der Schutz vor den negativen Auswirkungen des Koffeins signalisieren sollte, spielte eine wichtige Rolle, es garantierte dem Kunden den Ausschank des gewünschten koffeinfreien Kaffes in Hotels, Gaststätten, auf Messen und in Probierstuben. Nur in Geschirr, welches das HAG Emblem trug, durfte HAG serviert werden. Das früheste wurde ab 1907 produziert und trug entsprechend seiner Oberflächenstruktur die Bezeichnung ?Riefel-Porzellan?. Die zweite Modellreihe von 1909 wurde fast ausschließlich von der Porellanfabrik Tettau produziert. Neben diesen beiden Reihen gab es zahlreiche Sonderformen; Produzenten waren u.a. Bauscher, Schönwald, Hutschenreuther, Schlagenwald u. Langenthal. - Ebenso wie die Marke Kaffee HAG eine Utopie verkörperte von einer Symbiose aus Kunst, Industrie und Handel, so war auch der Firmengründer Ludwig Roselius (1874-1943) nicht nur Händler und Erfinder - neben dem koffeinfreien Kaffee entwickelte er Ende der zwanziger Jahre auch das kakaohaltige Getränk ´Kaba´- , sondern auch Kunstmäzen (er förderte u.a. Paula Modersohn-Becker) und Herausgeber der literarisch-künstlerischen Zeitschrift ´Die Böttcherstraße´. Die gleichnamige Straße in Bremen, ein unter ihm 1922-1931 entstandenes architektonisches Ensemble, sollte u.a. dem Ausland den kulturellen Neubeginn in Deutschland signalisieren; Roselius war Mitglied der nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht und förderndes Mitglied der SS. Zwar erklärte Hitler auf dem Reichsparteitag am 9. September 1936, dass ?der Nationalsozialismus diese Art von Böttcherstraßen-Kultur schärfstens? ablehne (Zit. nach: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. S. 497), dennoch war Roselius 1937 Ehrengast bei der Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen Kunst.
EUR 150,00
(inkl. der jeweils gültigen gesetzlichen Mwst)