Kautsky, Karl:
Mein Verhältnis zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei. Ein Rückblick.
Tony Breitscheid Verlag, Berlin., 1922.
20 S., Gr.8°, OBrosch.
BER64846
Sonderabdruck aus der Wochenschrift ´Der Sozialist´. Kautsky skizziert seine Kriegsgegnerschaft während des I. Weltkriegs in Abgrenzung zur Gruppe Internationale um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg: ´Wir wollten ebenfalls die rascheste Beendigung des Krieges herbeiführen, aber nicht durch revolutionäre Erhebungen, die uns unwahrscheinlich erschienen und die nur Erfolg hätten haben können als spontane Ausbrüche, die vom Willen der führenden Sozialisten ganz unabhängig waren.´ Zudem präsentiert er sich selbstgenügsam als ein antibolschewistischer Vorreiter: ´Sobald es möglich wurde, aus den widersprechenden Nachrichten, die über den Bolschewismus zu uns drangen, zu einem sicheren Ergebnis zu kommen, habe ich es für meine dringendste Aufgabe gehalten, der Hirnverkleisterung entgegenzuwirken, die von den russischen Machthabern mit allen Mitteln im europäischen Proletariat betrieben wurde.´ Dementsprechend zeigt sich Kautsky auch unerschrocken gegenüber der Ideenwelt kommunistischer Überzeugungsarbeit und warnt zugleich vor einem Zusammengehen: ´Die Propagierung kommunistischer Ideen in einer sozialistischen Gesamtpartei würde ich nicht fürchten. Der wäre kein Erfolg beschieden. Was aber das Zusammenwirken mit den Kommunisten, wie sie sind, unmöglich macht, ist ihre Unduldsamkeit und ihr Jesuitismus. Sie streben nach Zertrümmerung jeder proletarischen Organisation, die sich nicht ihrer Herrschaft unterwirft, und kein Mittel der Lüge und der Gewalt ist ihnen zu schlecht, zu diesem Ziele zu kommen. Mit ´Kameraden´ dieser Art zusammenwirken zu wollen, heißt Selbstmord begehen.´ Zustimmend zeigt er sich dagegen für einen Zusammenschluß der Rest-USPD mit der SPD: ´Für mich steht es fest: Die große Mehrheit der Mitglieder der U.S.P. stellt wohl einen höchst wertvollen Teil der Gesamtarmee des deutschen Proletariats dar. Sie hat sich um dessen Befreiungskampf wohl verdient gemacht. Aber die Zeit ist vorbei, wo sie in dem Zustand der Absplitterung von der Gesamtpartei noch nützlich wirken könnte. Ihre isolierte Existenz kann unserer Sache nur noch schaden, nichts mehr nützen. Dagegen werden die Massen der U.S.P. und ihre sozialdemokratischen Vertreter durch ihre Vereinigung mit der S.P.D. diese nicht nur zahlenmäßig erweitern, sondern auch anfeuernd und belebend auf sie wirken, die Werbekraft der neugeschaffenen Gesamtpartei vergrößern, ihre politische Wucht stärken, so den Moment beschleunigen, in dem das deutsche sozialistische Proletariat im Reiche die politische Macht ergreift, und seine Fähigkeit vermehren, diese Macht zweckmäßig und erfolgreich anzuwenden und festzuhalten. Mögen die Kommunisten der verschiedensten Schattierungen in der Zersplitterung des Proletariats sein Heil und das ihre suchen. Unsere Parole muß sein: Es lebe die geeinte Sozialdemokratie!´ Ehem. Bibliotheksex., gestempelt. Umschlag lose.
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