Dada A - Neue Jugend.
Monatsschrift. Herausgeber: Heinz Barger. (Schriftleiter: Wieland Herzfelde). Jg. 1 [von 2], Heft 7 [von 12], Juli [d.i. Juni] 1916.
Neue Jugend, Berlin., 1916.
S. 123-146 S. Mit 2 ganzs. repr. Zeichnungen von G. Grosz u. 1 ´Bücherzettel´., 8°, Orig.-Umschlag.
KNE35296
Erstes von den Brüdern Heartfield/Herzfelde herausgegebenes Heft der Zeitschrift und damit erstes Dokument der verlegerischen Tätigkeit der späteren Betreiber des Malik-Verlages. - Herzfelde trug bereits als Minderjähriger während des Krieges, angeregt durch Gespräche nicht nur mit seinem Bruder, sondern etwa im ´Café des Westens´ mit Else Lasker-Schüler, Theodor Däubler sowie George Grosz, den Gedanken mit sich herum, eine Zeitschrift zu gründen. Zufällig geriet er an den in Charlottenburg noch bei seinen Eltern wohnenden Gymnasiasten Heinz Barger, dessen vor dem Krieg erstmals erschienene Schülerzeitung ´Neue Jugend´ sich anbot, die Genehmigungsbehörden zu umgehen. Gegen eine hohe Summe, die Herzfelde mithilfe Lasker-Schülers und Döblins auftrieb, kaufte er den Titel des Blattes, trug dessen ehemaligen Leiter pro forma als Herausgeber ein und setzte Heftnummerierung und Seitenpaginierung fort. Barger verzichtete auf jede inhaltliche Einflussnahme. Rückblickend schreibt Herzfelde über die Erstellung der vorliegenden ersten Nummer: ´Wir hatten weder Schreibmaschine noch Briefpapier, weder Telefon noch Portokasse. Dafür hatte Barger Gemüt: Seine Eltern durften von allem nichts wissen. Aber ihre Köchin hielt zu dem jungen Herren. In der Küche benutzten wir, nicht ohne verpflegt zu werden, die Schreibmaschine des Vaters. [...] Zunächst galt es, Beiträge zu bekommen und einen Drucker zu finden, der auch das Papier lieferte und auch die Buchbindearbeit übernahm. [...] Ich ging mit meinem Bruder durch die Buchhandlungen und schrieb aus den schönsten hergestellten Zeischriften und Büchern die Adressen der Drucker heraus. Zugleich überlegten wir uns, wie die Zeitschrift gestaltet werden sollte. Mein Bruder, der an den Kunstgewerbeschulen in München und Berlin studiert und in Manheim [...] Verpackungsreklame entworfen hatte, beherrschte die Fachsprache.´ (Wielend Herzfelde, Aus der Jugendezeit des Malikverlages, in: Hauberg u.a., S. 22.) Gegen den Rat seines Umfeldes entschied sich Herzfelde für das ´teuerste Angebot´ mit dem Argument: ´Geht das Blatt, kann ich zahlen. Und je schöner es ist, umso besser geht es.´ (Ebenda) - Programmatisch eröffent ist das Heft mit Bechers Gedicht ´An den Frieden´ und neben der Fortsetzung des zuvor in ´Der Brenner´ und ´Die Aktion´ erschienenen Romans ´Der Malik´ enthält die Nummer etwa Richard Huelsenbecks Gedicht ´Phantasie´. - Die Entscheidung, den Verlag ´Neue Jugend´ schließlich in Lasker-Schülers ´Malik´ - aus dem Hebräischen ´Melech´ für König, Herzog, Anführer - umzubenennen, war das Ergebnis eines Streits mit Barger, der, anders als verabredet, während des Fronteinsatzes Herzfeldes sich in die inhaltliche Ausrichtung des Blattes einmischte. ´Else Lasker-Schüler war einverstanden´, erinnert sich Herzfelde, dessen Bruder der Zensurbehörde angab, ´Malik sei ein türkischer Prinz, dessen Popularisierung in Deitschland zum Endsieg beitragen könnte.´ (Ebdenda, S. 28). - Äußerst gut erhaltenes Exemplar der prädadaistischen Zeitschrift mit dem seltenen Bücherzettel. - Dietzel/Hügel 2153. - Schlawe S. 15f. - Dada global 22. - Raabe, Zeitschriften 30. - Hermann 277a. - Gittig 1.
EUR 500,00
(inkl. der jeweils gültigen gesetzlichen Mwst)